Es gibt ein paar Rockbands aus den 80er Jahren, an die man sich noch gut erinnert. Es gibt 'ne Menge Bands,
an die man sich kaum noch erinnert. Und es gibt eine, an die sich niemand mehr erinnert: die Keller Company aus Bochum!
Wirklich nie gehört? Das ist schade. Denn die Keller Co. war vielleicht nicht berühmt, schon gar nicht war sie
weltbewegend, aber sie war eine Band, die das hatte, was gute Amateur-Combos schon immer auszeichnete:
Jenen gewissen Biß und das bemerkenswerte Stehvermögen, das einmal neben der Schlosser-Lehre bei Opel,
dem Jura-Vordiplom und der Steuerfachgehilfen-Prüfung als wahr erkannte Rock-Ding durchziehen.
Um 1983 hatte sich die Keller Company in Bochum, Herne und Hattingen bereits einen gewissen Ruf erspielt:
"Schweißtreibende Deutschrockband", prangte auf der Flagge, unter der E.T. Keller (Animationsgesang), Peter
Pippich (Fender-Rhodes-Piano), Joe Long (Gitarre), Frank Rio (Baß) und J.J. Ox - diese Namen! - im stilistischen
Fahrwasser von Deutschpop-Stars wie Klaus Lage oder Geier Sturzflug schipperten. Die Texte der Keller Co.
erzählten Alltagsgeschichten, schilderten ironisch-witzig die Gepflogenheiten der Menschen: Die Röcke werden
kürzer/Die Tage werden länger/die Scheidungsrate steigt wieder an... (aus Sommer in der Stadt); die Musik war
tanzbarer Pop-Rock, immer flottweg (Nee, nee, nee/Wie kann man nur so schnell/Vor die Hunde geh'n...);
"handwerkliches Können und langjährige Erfahrung", wußte das seinerzeit gestreute Info-Blatt, "prägen die Konzerte".
Kurz: Diese Band war rundum sympathisch.
Die Keller Co. existierte nur drei kurze Jahre, von März '83 bis März '86. Die Besetzung wechselte häufig, u.a.
verschliß man vier Gitarristen, drei Bassisten und drei Drummer. Und wenn man heutzutage auf den Straßen von
Bochum einen der damaligen Bandmitglieder wiedertrifft, und ihn anspricht auf jene Zeit, die lange her ist, dann
huscht über die Gesichter ein Grinsen, und ein jeder der ehemaligen Kelllercompaneros wird sagen:
- Jaa! Aber am besten war unser Open-Air-Konzert auf der Freilichtbühne Wattenscheid.
Wohl war! Der 21. August 1983 war's, als die Keller Company dort musizierte, u.a. neben den berühmten Conditors
aus Dortmund. Es goß wie aus Kübeln und die gerade mal 150 Jugendlichen mußten sich unters Wellblechdach
verziehen, um nicht abzusaufen. Vor der Bühne klaffte eine Riesenlücke. Die Keller Company spielte trotzdem.
Und wie! Sommer in der Stadt; Nee, nee, nee; Mensch, raff' Dich auf! - Sämtliche kleinen Hits wurden an diesem
legendären Tag ausgepackt und das komplette Konzert von einem beflissenen "Roadie", dessen Namen heute
keiner mehr kennt, auf Cassette mitgeschnitten.
Immer noch schlummern diese Bänder in den jeweiligen Wohnzimmerschränken der jeweiligen, ehemaligen
Bandmitglieder. Immer noch existieren an gleicher Stelle säuberlich geführte Fotoalben, die alles, was die Keller Co.
einst bedeutete, für die Nachgeborenen mit der gebotenen Akkuratesse konservieren.
Die Keller Company war vielleicht keine Berühmtheit. Aber eine Weile kam ich, kam Bochum ohne sie nicht aus.
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